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Meldung

Wenn die Rentenversicherung mit KI prüft, kontert eine Anwältin mit KI: Walldorfer

Startup automatisiert die Prüfung von Freelancer-Verträgen

Die Deutsche Rentenversicherung setzt bei Betriebsprüfungen inzwischen selbst auf Künstliche Intelligenz, um Scheinselbständigkeit aufzudecken. Für Unternehmen, die freie Mitarbeiter beschäftigen, steigt damit das Risiko empfindlicher Nachzahlungen. Die Walldorfer Rechtsanwältin Magdalena Seiler hat darauf reagiert – mit einer eigenen KI-Software, die genau das verhindern soll, wofür sie selbst jahrelang gebraucht wurde.

Neue Prüfpraxis, neues Risiko

Mit dem System KIRA analysiert die Deutsche Rentenversicherung bei Betriebsprüfungen inzwischen automatisiert große Datenmengen und sucht systematisch nach Hinweisen auf Scheinselbständigkeit. Für Unternehmen bedeutet das: Statt vereinzelter Stichproben rückt potenziell jeder einzelne Freelancer-Vertrag in den Blick der Prüfer. Wird ein Vertrag als Beschäftigungsverhältnis umgedeutet, gilt die Zusammenarbeit rückwirkend als Anstellung – mit Nachzahlungen von Sozialabgaben und Lohnsteuer, die je nach Fall im mittleren fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Person liegen können, dazu drohende Bußgelder und eine persönliche Haftung der Geschäftsführung.

Genau an diesem Punkt setzt das Walldorfer Startup dealdraft GmbH an. Mit HeyMagda (heymagda.ai) hat es eine Software entwickelt, die Werk- und Dienstverträge mit Freelancern automatisiert auf genau jene Mängel prüft, aus denen sich in einer Betriebsprüfung eine Scheinselbständigkeit ableiten lässt – und die passende Korrektur gleich mitliefert.

Von der Prüferin zur Gründerin

Hinter dem Produkt steht die Rechtsanwältin Magdalena Seiler, die über zehn Jahre in Rechtsabteilungen großer Personaldienstleister gearbeitet und dort mit ihrem Team monatlich mehrere hundert Verträge manuell auf Scheinselbständigkeitsrisiken durchgesehen hat. Erste Versuche, diese Arbeit mit allgemeinen KI-Chatbots zu beschleunigen, überzeugten sie nicht: Die Ergebnisse seien zu häufig fehlerhaft und nicht konstant belastbar gewesen, so ihre Erfahrung.

Anfang 2026 verfolgte sie deshalb einen anderen Ansatz: Statt die KI bei jeder Prüfung frei generieren zu lassen, übertrug sie ihr gesamtes Prüfwissen in ein strukturiertes Playbook und beschränkte die Software darauf, ausschließlich mit diesem kuratierten Regelwerk zu arbeiten. In monatelangen Tests mit mehreren hundert Verträgen wurde dieses Playbook immer weiter verfeinert, bevor daraus das fertige Produkt wurde.

„Die Zeit, in der Unternehmen darauf hoffen konnten, dass ein Prüfer nur Stichproben zieht, ist vorbei“, sagt Seiler. Wenn die Rentenversicherung flächendeckend mit KI prüfe, müsse folgerichtig auch jeder einzelne Vertrag vorab geprüft und korrigiert sein – ein Aufwand, der sich manuell weder zeitlich noch wirtschaftlich stemmen lasse.

Bemerkenswert an der Gründungsgeschichte: Seiler baut mit HeyMagda im Kern eine Software, die genau jene Vertragsprüfungen übernimmt, mit denen sie selbst früher ihr Geld verdient hat. „Ich habe bewusst eine Software gebaut, die mich selbst überflüssig macht“, sagt sie dazu – und begründet den Schritt mit einem grundsätzlichen Wandel im Rechtsdienstleistungsmarkt, den sie lieber mitgestalten als abwarten wollte.

So funktioniert die Prüfung

Nutzer laden einen Vertrag bei HeyMagda hoch, die Software gleicht ihn mit dem anwaltlich kuratierten Playbook ab und liefert nach eigenen Angaben binnen einer Minute einen laienverständlichen Bericht über nicht konforme oder fehlende Regelungen. Per Klick lässt sich daraus eine unterschriftsreife Ergänzungsvereinbarung als Word-Dokument erzeugen, die die gefundenen Mängel behebt, ohne dass der ursprüngliche Vertrag neu verhandelt werden muss. Juristisches Vorwissen ist für die Bedienung nicht notwendig.

Adressiert werden zum einen Unternehmen, die Freelancer direkt beauftragen, zum anderen Personaldienstleister sowie IT-, Beratungs- und Engineering-Firmen, die zwischen Einsatzunternehmen und Freelancern vermitteln. Die Datenverarbeitung erfolgt auf Servern in Deutschland und Europa; neben der Public Cloud bietet dealdraft auch eine Managed Private Cloud sowie einen On-Premises-Betrieb an. Über eine API lässt sich HeyMagda zudem in bestehende CRM-, VMS-, ERP- oder Dokumentenmanagement-Systeme integrieren, sodass Verträge dort direkt zur Prüfung übergeben werden können.

Ausbau auf weitere Vertragsarten geplant

Für die Zukunft plant dealdraft, HeyMagda schrittweise auf weitere Dokumente auszuweiten – etwa Freelancer-Rechnungen, Arbeitnehmerüberlassungsverträge sowie Datenschutz- und Geheimhaltungsvereinbarungen. Perspektivisch sollen auch Privatpersonen die Software nutzen können, etwa um eigene Arbeitsverträge prüfen zu lassen.

Wichtig für die Einordnung: HeyMagda versteht sich ausdrücklich nicht als Rechtsberatung im Einzelfall, sondern als softwaregestütztes Prüf- und Dokumentenwerkzeug. Die 2026 in Walldorf gegründete dealdraft GmbH entwickelt und vertreibt nach eigener Beschreibung spezialisierte KI-Lösungen zur Vertragsprüfung und zur automatisierten Erstellung von Ergänzungsvereinbarungen.

Weitere Informationen gibt es unter heymagda.ai.