Was die Parteien für Startups und Existenzgründende planen
Die letzte Umfrage unter Startups zu ihren politischen Präferenzen wurde 2024 im Deutschen Startup Monitor des Startup Verbands erhoben. Ein Blick zurück zeigt, wie damals die Startup-Szene in Deutschland politisch positioniert war. Laut Deutschem Startup Monitor 2024 galten Bündnis 90/Die Grünen unter Gründerinnen und Gründern weiterhin als präferierte politische Kraft – trotz leichter Verluste gegenüber den Vorjahren.
FDP und SPD, damals Teil der Bundesregierung, verloren an Zustimmung im Startup-Umfeld. Zugewinne verzeichneten 2024 hingegen CDU/CSU sowie die paneuropäische Partei Volt. Insgesamt spiegelte sich eine klare Werteorientierung wider: Offenheit, Fachkräftezuwanderung, Innovation und Nachhaltigkeit gehörten zu den zentralen politischen Erwartungen der Gründerszene.

Seitdem hat sich die politische Landschaft grundlegend verändert. Die frühere Ampel-Koalition auf Bundesebene besteht nicht mehr, parteipolitische Kräfteverhältnisse haben sich verschoben – und damit auch die Rahmenbedingungen für Innovation, Unternehmertum und Startups. Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein genauer Blick auf die aktuellen Wahlprogramme zur kommenden Landtagswahl in Baden-Württemberg. Denn sie zeigen, welche Antworten die Parteien heute auf die wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen geben – und welche Perspektiven sie dem Innovations- und Gründungsstandort bieten.
Verschiedene Ansätze bei der Gründerförderung
Im Vorfeld der Landtagswahl in Baden-Württemberg zeigen die Wahlprogramme deutliche Unterschiede bei der Förderung von Unternehmensgründungen. Während einige Parteien auf Risikokapital und Innovationspolitik setzen, legen andere den Schwerpunkt auf Handwerk und klassischen Mittelstand. Die Frage, wie Baden-Württemberg seine Wirtschaftskraft auch künftig sichern kann, beantwortet jede Partei unterschiedlich.
Die Reihenfolge der folgenden Darstellung orientiert sich an den Präferenzen der Startup-Szene laut Deutschem Startup Monitor 2024. Die AfD wurde ergänzt, da sie eine Fraktion im Landtag Baden-Württemberg stellt.
Grüne: Ökosystem-Ansatz mit Diversitätsfokus
Die Grünen setzen auf einen umfassenden strukturpolitischen Ansatz. Das Programm sieht vor, das erfolgreiche ‚Start-up BW PreSeed‘ fortzuführen und auszubauen, um Risiken in der frühen Phase zu senken.
Für die Wachstumsphase sind ‚Scale-up BW‘ sowie ein ‚Scale-up-Fonds BW‘ für zusätzliches Risikokapital geplant.
Zudem soll der Staat über öffentliche Beschaffung stärker als Ankerkunde auftreten, damit Start-ups leichter in den Markt kommen.
Gleichzeitig wollen die Grünen Kooperationen zwischen Start-ups und Mittelstand über ein Corporate-Start-up-Partnerschaftsprogramm ausbauen.
Ein landesweiter One-Stop-Shop soll Beratung, Förderung und Anmeldung bündeln und Gründungen perspektivisch deutlich beschleunigen – pilotiert in zwei Regionen.
Gesellschaftspolitisch betont das Programm Diversität und Unterstützung für Gründerinnen sowie weitere Gruppen, die beim Gründen häufiger Hürden erleben. Parallel steht Entbürokratisierung für kleine und mittlere Unternehmen auf der Agenda.
Mehr zum Wahlprogramm der Grünen gibt es hier!
FDP: Marktwirtschaft und Wissenschaftsausgründungen
Die FDP legt den Schwerpunkt auf innovations- und wissenschaftsgetriebene Gründungen. Im Programm finden sich der Ausbau von Wagniskapital und staatlich kofinanzierte Spin-off-Fonds. Hochschulen sollen künftig nicht nur Ausgründungspartner sein, sondern sich auch finanziell an Start-ups beteiligen können. Ein landesweit einheitlicher, innovationsfreundlicher IP-Standard soll Technologietransfer und Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vereinfachen.
Wie die Grünen fordert auch die FDP einen One-Stop-Shop für digitale Gründungsprozesse. Inkubatoren, Start-up-BW-Acceleratoren, Entrepreneurship Education und Public-Private-Partnership-Strukturen sollen gestärkt werden. Innovationsgutscheine und bürokratiearme Innovationscampus-Modelle sollen den Weg von der Forschung in den Markt erleichtern. Der Ansatz ist klar marktwirtschaftlich und auf Deregulierung ausgerichtet.
Klassische Existenzgründungen profitieren vor allem indirekt von weniger Bürokratie und vereinfachten Rahmenbedingungen; auch Unternehmensnachfolgen werden als wichtiger Bestandteil der Gründungspolitik hervorgehoben..
Mehr zum Wahlprogramm der FDP gibt es hier!
CDU: Handwerk, Mittelstand und Qualifikation
Die CDU legt in ihrem Wahlprogramm einen Schwerpunkt auf Handwerk, Mittelstand, duale Ausbildung sowie Bürokratieabbau für Existenzgründungen.
Klassische Gründungen sollen über Maßnahmen wie die Ausweitung der Meistergründungsprämie, Abschaffung von Gebühren und den Ausbau beruflicher Bildungszentren gestärkt werden.
Gleichzeitig enthält das Programm auch konkrete Elemente zur Förderung von Start-ups: Vorgesehen sind ein Zukunftsfonds mit Eigenkapitalinstrumenten, digitale Gründungsprozesse innerhalb von 48 Stunden, ein Bürokratie-Moratorium für Gründer sowie der Ausbau von Gründerzentren mit Pre-Seed-Finanzierung. Zudem setzt die CDU auf Vernetzung und technologische Innovationscluster, um wissensbasierte Gründungen und technologieorientierte Start-ups zu unterstützen.
Mehr zum Wahlprogramm der CDU gibt es hier!
Volt: Innovationsökosystem, Europa-Vernetzung und Bürokratieabbau
Volt setzt im Wahlprogramm weniger auf konkrete staatliche Beteiligungsmodelle als auf den Aufbau eines innovationsfreundlichen Ökosystems. Im Zentrum stehen sogenannte „europäische Innovationsräume“, in denen Hochschulen, Start-ups, Mittelstand und europäische Cluster enger vernetzt werden sollen. Ziel ist es, Forschung schneller in marktfähige Produkte zu überführen und Baden-Württemberg stärker in europäische Innovationsstrukturen einzubinden.
Geplant ist zudem eine Landesagentur, die Unternehmen beim Zugang zu europäischen Netzwerken, Förderprogrammen und Kooperationspartnern unterstützt. Innovation wird eng mit digitaler Souveränität verknüpft – etwa durch den Ausbau europäischer Cloud- und KI-Infrastrukturen sowie Open-Source-Lösungen.
Für klassische Existenzgründungen sieht Volt vor allem einen deutlichen Bürokratieabbau vor. Mit einem „One-Stop-Shop“ sollen Unternehmen vollständig digital und innerhalb von 24 Stunden gegründet werden können. Zudem will die Partei Mittelstand, Handwerk und genossenschaftliche Unternehmensformen gezielt stärken.
Mehr zum Wahlprogramm von Volt gibt es hier!
SPD: Struktur- und sozialpolitische Flankierung
Die SPD kombiniert Startup-Förderung mit sozialpolitischen Zielen. Das Programm sieht den Ausbau regionaler Gründungszentren und mehr öffentliche Mittel für Venture Capital vor. Förderung soll sowohl in der Früh- als auch in der Wachstumsphase erfolgen.
Eine Besonderheit: Förderprogramme sollen an soziale Arbeitsstandards gekoppelt werden. Diversitätsförderung und Mentoringprogramme ergänzen das Konzept. Zudem plant die SPD ein breites Instrumentarium aus Zuschüssen, Darlehen und Beteiligungen, das nicht nur Start-ups adressiert, sondern in der Logik des Programms auch den Mittelstand und klassische Gründungen flankiert.
Mehr zum Wahlprogramm der SPD gibt es hier!
AfD: Wenig konkrete Förderinstrumente
Im verfügbaren Programmausschnitt der AfD finden sich deutlich weniger konkrete Maßnahmen zur Gründerförderung. Die Partei positioniert sich allgemein wirtschaftsfreundlich und kritisch gegenüber Bürokratie, hat aber keine spezifisch ausgearbeiteten Instrumente für Startups oder Existenzgründungen vorgelegt. Der Schwerpunkt liegt auf Deregulierung und wirtschaftlicher Entlastung.
Allerdings fällt die AfD in der politischen Diskussion vor allem durch rechtsextreme und teilweise faschistisch anmutende Äußerungen auf – etwa zum Thema Remigration. Angesichts eines Anteils von rund 30 Prozent Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland steht dies im Widerspruch zu einem wirtschaftsfreundlichen Klima. Auch die zentralen Werte der Startup-Szene – Offenheit, Fachkräftezuwanderung, Innovation und Nachhaltigkeit – passen kaum zur politischen Ausrichtung der Partei.
Mehr zum Wahlprogramm der AfD gibt es hier!
Unterschiedliche Prioritäten
Die Wahlprogramme zeigen ein breites Spektrum an Ansätzen. Volt und FDP fokussieren auf Innovation und Risikokapital, die Grünen verfolgen einen breiten Ökosystem-Ansatz mit sozialem Anspruch, die SPD verbindet Wirtschaftsförderung mit Arbeitnehmerinteressen. Die CDU setzt hingegen auf traditionelle Mittelstandsförderung und Handwerk.
Für Startups und Gründende dürfte entscheidend sein, welche Schwerpunkte die zukünftige Landesregierung tatsächlich umsetzt – und welches Budget dazu im Landeshaushalt zur Verfügung stehen wird.
Bewertungsmatrix zur Förderung von Start-ups und Existenzgründungen
Die folgende Matrix vergleicht die Programmatik der Parteien zur Landtagswahl Baden-Württemberg 2026 hinsichtlich der Förderung von Start-ups sowie klassischen Existenzgründungen.
Legende
Bewertungsmethodik
Die Einordnung basiert auf einer systematischen Analyse der Wahlprogramme der Parteien zur Landtagswahl Baden-Württemberg 2026.
Die Auswertung erfolgte unter Zuhilfenahme von ChatGPT zur strukturierten Inhaltsanalyse, zum Vergleich der Programmpunkte sowie zur Erstellung der Bewertungsübersicht.
Der KI wurden keine inhaltlichen Vorgaben zur politischen Gewichtung oder Bewertung einzelner Parteien gegeben. Grundlage waren ausschließlich die Inhalte der Wahlprogramme.
Die Bewertung orientiert sich an Programmtiefe, Maßnahmenkonkretheit und Schwerpunktsetzung im Bereich Gründungsförderung.
a) Start-ups
| Partei | Kapitalzugang | Bürokratie | Innovation/Tech | Ökosystem | Bildung | Diversität | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bündnis90/Grüne | ++ | ++ | + | ++ | + | ++ | ++ |
| FDP | ++ | ++ | ++ | + | ++ | 0 | ++ |
| CDU | ++ | ++ | + | + | + | 0 | ++ |
| VOLT | + | + | ++ | ++ | 0 | 0 | + |
| SPD | ++ | + | ++ | + | 0 | + | ++ |
| AfD | 0 | + | + | – | 0 | – | 0 |
b) Klassische Existenzgründungen
| Partei | Finanzierung | Bürokratieabbau | Handwerk/KMU | Bildung/Ausbildung | Soziale Förderung | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bündnis90/Grüne | + | ++ | + | + | ++ | ++ |
| FDP | + | ++ | + | ++ | 0 | + |
| CDU | + | + | ++ | ++ | 0 | ++ |
| VOLT | 0 | + | + | + | 0 | + |
| SPD | ++ | + | + | ++ | ++ | ++ |
| AfD | + | + | + | 0 | – | 0 |
Hinweis zur Methodik der Einordnung
Die vorliegende Bewertungsmatrix basiert auf einer systematischen Analyse der veröffentlichten Wahlprogramme der Parteien zur Landtagswahl Baden-Württemberg 2026. Die Auswertung erfolgte unter Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz (ChatGPT), die zur strukturierten Inhaltsanalyse, zum Vergleich der Programmpunkte sowie zur Erstellung der Bewertungsübersicht eingesetzt wurde.
Der KI wurden dabei keine inhaltlichen Vorgaben zur politischen Bewertung, Gewichtung einzelner Parteien oder zur Einordnung der Maßnahmen gemacht. Grundlage der Auswertung waren ausschließlich die in den Wahlprogrammen formulierten Aussagen und Maßnahmen zur Förderung von Start-ups und klassischen Existenzgründungen.
Die Bewertungskategorien sowie die Zuordnung innerhalb der Matrix wurden auf Basis der erkennbaren Programmtiefe, Maßnahmenkonkretheit und thematischen Schwerpunktsetzung vorgenommen. Ziel der Darstellung ist eine vergleichende, nachvollziehbare und möglichst neutrale Übersicht über wirtschafts- und gründungsbezogene Positionen der Parteien.

Was die Parteien für Startups und Existenzgründenden planen